Seherin von Kell by David Eddings

Seherin von Kell by David Eddings

Author:David Eddings [Eddings, David]
Language: deu
Format: epub
Published: 0101-01-01T00:00:00+00:00


Dritter Teil

DIE HÖHEN VON KORIM

18

arion hatte seine Großmutter – oder ihr Sendbild -schon mehr-Gmals gesehen, aber jetzt erschien ihm die Ähnlichkeit mit Tante Pol geradezu unheimlich. Natürlich gab es Unterschiede. Beispielsweise war Tante Pols Haar, von der weißen Strähne über der Stirn abgesehen, dunkel, fast schwarz, und ihre Augen leuchteten in einem tiefen, tiefen Blau. Poledra andererseits hatte hellbraunes Haar, das Sammets Honigblond nahekam, und ihre Augen waren golden wie die eines Wolfes. Die Züge der beiden Frauen waren jedoch fast völlig gleich, ebenso wie die von Beldaran, Tante Pols Schwester, gewesen war, deren Sendbild Garion einmal gesehen hatte. Belgarath, seine Gemahlin und seine Tochter hatten sich in die hintere Ecke des Gemachs zurückgezogen, und Beldin, auf dessen betont finsterem Gesicht Tränen glänzten, hatte sich zwischen sie und die anderen im Gemach gestellt, um dafür zu sorgen, daß sie während ihres Wiedersehens ungestört blieben.

»Wer ist sie?« fragte Zakath Garion verwirrt.

»Meine Großmutter«, antwortete Garion. »Belgaraths Gemahlin.«

»Ich wußte gar nicht, daß er eine Frau hatte!«

»Woher, glaubst du, kam Tante Pol?«

»Oh. Darüber habe ich nie nachgedacht.« Zakath schaute sich um und bemerkte, daß sowohl Ce'Nedra wie Sammet sich die Augen mit hauchdünnen Taschentüchlein tupften.

»Warum haben alle so feuchte Augen?«

»Wir hatten geglaubt, sie wäre nach der Geburt von Tante Pol und ihrer Schwester Beldaran im Kindbett gestorben.«

»Und wann war das?«

Garion zuckte mit den Schultern. »Tante Pol ist über dreitausend Jahre alt.«

Zakath riß die Augen auf. »Und Belgarath hat die ganze Zeit um sie getrauert?«

»Ja.« Garion hatte jetzt keine Lust, darüber zu reden. Er wollte momentan nichts anderes, als sich an den strahlenden Gesichtern seiner Familie erfreuen. Familie – dieses Wort kam von selbst, und plötzlich erinnerte er sich an die düstere Zeit, nachdem er erfahren hatte, daß Tante Pol eigentlich gar nicht seine Tante war. Er hatte sich damals so entsetzlich allein gefühlt – ein Waise im schrecklich-sten Sinne des Wortes. Es hatte Jahre gedauert, aber jetzt war alles gut. Seine Familie war beinahe vollständig. Belgarath, Poledra und Tante Pol schwiegen, denn Sprache war kaum notwendig. Sie saßen in den Sesseln, die sie dicht aneinandergerückt hatten, blickten einander an und hielten sich bei den Händen. Garion konnte die Stärke ihrer Gefühle nur vage wahrnehmen, fühlte sich jedoch nicht ausgeschlossen, sondern nahm an ihrer Freude teil.

Durnik durchquerte das Gemach und kam auf Garion und die übrigen zu. Selbst in des Schmiedes Augen glänzten ungeweinte Trä-

nen. »Wie wär's, wenn wir sie allein ließen?« schlug er vor. »Wir können die Zeit gut mit Packen nutzen, schließlich wartet ein Schiff auf uns.«

»Sie hat gesagt, daß du es gewußt hast!« wandte Ce'Nedra sich anklagend an Garion, als sie in ihr Gemach zurückgekehrt waren.

»Ja«, gab er zu.

»Warum hast du mich nicht eingeweiht?«

»Sie hatte mich gebeten, es für mich zu behalten.«

»Aber das gilt nicht für die eigene Frau, Garion.«

»Nein?« tat er überrascht. »Wann wurde diese Bestimmung erlassen?«

»Ich habe sie soeben erfunden«, gestand sie. »O Garion«, sagte sie da. Sie schlang die Arme um seinen Hals und küßte ihn. »Ich liebe dich wirklich!«

»Na, das will ich doch hoffen. Wollen wir packen?« Die



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